Was verbindet einen Akkordeonspieler aus Italien mit einem Tubaspieler aus Frankreich und Schlagzeuger aus der Schweiz? Zunächst die Liebe zum Jazz, aber auch der Plan, im Oktober jeden Jahres mit einigen Konzerten auf Tour zu sein. In diesem Jahr sind es 4 Konzerte und – man glaubt es kaum – eines am 11.10. bei QQTec in Hilden.
Das Trio von Luciano Biondini, Michel Godard und Lucas Niggli ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Da ist zum einen die Herkunft der Musiker: Biondini (*1971) stammt aus Spoleto in der italienischen Provinz Perugia, Michel Godard (*1960) kommt aus dem französischen Héricourt bei Belfort in der Franche-Comté, und Lucas Niggli (*1968) ist Schweizer und im Zürcher Oberland daheim, verbrachte aber die ersten sieben Lebensjahre in Kamerun, wo seine Eltern in der Entwicklungshilfe arbeiteten. Verschiedene Kulturen und Sprachen kommen hier also zusammen.
Eine zweite Besonderheit des Trios ist seine instrumentelle Zusammensetzung: Biondini spielt Akkordeon, Niggli Schlagzeug sowie alle Arten von Perkussion, und Michel Godard widmet sich der Tuba und dem Serpent (einem urtümlichen, schlangenförmig gewundenen Blasinstrument mit einem Mundstück wie bei einem Blech-, aber seitlichen Löchern wie bei einem Holzblasinstrument). Manchmal greift Godard aber auch zum E-Bass. Mit dieser so eigenwilligen wie faszinierenden Instrumentierung verfügt das Trio über eine im Wortsinn unerhörte Klangfarbenpalette.
Die Schönheit des vielfach schimmernden und leuchtenden Klangs ist indes nur das eine. Das andere ist die Virtuosität der Musiker, ihre melodische, harmonische und rhythmische Erfindungskraft, ihre Fähigkeit zum empathischen Zusammenspiel, ihre leichtfüßige Intelligenz im Umgang mit komplexen musikalischen Formen.
Letztere ist wohl dadurch zu erklären, dass sich alle drei Musiker seit 2010 zwar dem Jazz verschrieben haben, aber nicht oder nicht nur von ihm herkommen: Biondini studierte von seinem zehnten Lebensjahr an klassisches Akkordeon und gewann mit seinem elaborierten Spiel zahlreiche Preise, bevor er sich 1994 dem Jazz zuwandte. Auch Michel Godard verfügt über eine klassische Ausbildung. Er spielte von 1988 an im Philharmonischen Orchester von Radio France und in etlichen anderen Formationen. Daneben tritt er auch als Solist auf und unterrichtet Meisterklassen. Lucas Niggli schließlich war schon als Kind ein leidenschaftlicher Schlagzeuger, erhielt aber auch Klavier- und Gesangsunterricht, entdeckte früh die moderne E-Musik und hat sich seither als Komponist und Leader mit den verschiedensten Formationen hervorgetan.
Wie im Jazz nicht anders zu erwarten, haben Biondini, Godard und Niggli mit einem Who’s who der internationalen Jazzszene musiziert. Es ist hier nicht der Ort, die Namen aller aufzuführen.
Zwischenzeitlich sind sie während vieler Auftritte zu einer Working Band zusammengewachsen, die mit jedem Konzert aufs Neue überrascht. Auf einen übergreifenden Bandnamen können sie leicht verzichten. Für ihre Musik gibt es keinen Namen.
Ihr Repertoire besteht überwiegend aus Eigenkompositionen. Dabei aber auch gerne aus Coverversionen von beispielsweise John Coltranes „Naima“ in einer Bearbeitung für Akkordeon sowie, in einem Tuba-Arrangement, das „Adagio in F“ nach Johann Sebastian Bach. Andere Musikpaten sind Georg Friedrich Händel oder etwas aktueller Brad Mehlau.
Die Musik von Biondini, Godard und Niggli lebt von ihrer Poesie, ihrer Klangschönheit, ihrer Gedankentiefe, aber auch von ihrer inneren Spannung. Diese entsteht durch das Verweben von Komposition und Improvisation. Die Musiker agieren als gleichberechtigte Partner, sie hören aufeinander, spielen sich Ideen zu, nehmen sie auf, verändern sie: bald versonnen, bald übermütig, aber immer intelligent und mit Respekt vor der Komposition. So gelingt ihnen jene Verbindung von Form und Freiheit, die den Kern des Jazz ausmacht.
HIER gibt es eine kleine Hörprobe.
Dieser einmalige Höhepunkt des Jazzprogramms von QQTec in 2026 findet am Sonntag, 11.10. um 16 Uhr statt. Das Konzert präsentiert Musik, wie man sie (nicht nur) in Hilden noch nicht gehört hat,
Der Eintritt beträgt 30 €. An der Tageskasse und im Vorverkauf HIER.
